Ein Werkstattbericht aus der 7. Klasse

Thema: Selbstverantwortliches Lernen
ein Werkstattbericht aus der 7. Klasse

Die Schüler übernehmen selbst die Verantwortung für ihr Lernen – eine schöne Wunschvorstellung , denkt mancher vielleicht, der auf den Alltag in der Klasse oder beim Hausaufgabenmachen seiner Kinder blickt oder an die eigene Schulzeit denkt, in der ohne äußeren Druck nichts voran zu gehen schien.

Angeregt durch das Seminar zum Thema „Selbstverantwortliches Lernen“, das gleich zu Schuljahresbeginn mit einem Großteil des Kollegiums fer Freien Waldorfschule Wiesbaden unter Leitung von Herrn Harslem stattfand, brauchte ich nicht lange zu überlegen, ob es nicht vielleicht etwas Sinnvolleres geben könnte, als am Ende einer vierwöchigen Erdkundeepoche die übliche Klassenarbeit zu schreiben, in der die aus meiner Sicht wichtigen Fakten abgefragt werden.

Diese Erdkundeepoche mit dem für die Schüler neuen Thema „Afrika und Asien“ bot die Chance, dieses als oberstes Lernziel zu setzen: Bleibendes Interesse  für ein Sachgebiet entwickeln als Anknüpfungspunkt für weiteres  Lernen.

Gemeinsam mit den anderen Seminarteilnehmern entwarf ich folgenden Plan:
Die Schüler sollten….
… sich Themen, für die sie sich in der Epoche besonders interessiert haben, auswählen und dazu eigene Fragen formulieren , sich also ihre Klassenarbeit selbst zusammenstellen.
…in der Klasse eigene Bewertungskriterien aufstellen (s.u., ursprünglich plante ich, dies in Gruppenarbeit durchführen zu lassen. Aus Zeitmangel musste dies aber im lehrerzentrierten Unterrichtsgespräch geschehen.).
…zu zweit sich in sogenannten Themenpartnerschaften zusammenfinden und anschließend die Klassenarbeit gegenseitig korrigieren.
…der geschriebenen Klassenarbeit eine kurze Selbsteinschätzung der erbrachten Leistung anfügen.

Die Eltern informierte ich vorab schriftlich über diese Vorgehensweise.

Auswertung:
Schon im Vorfeld beim Entwerfen der Klassenarbeit – die Schüler hatten dazu drei Tage Vorbereitungszeit – herrschte eine ausgesprochen arbeitsame Stimmung. Am Vortag entwickelten sie sehr vernünftige Bewertungskriterien , über die sie anschließend abstimmten. Von zwölf Kriterien blieben sieben übrig. Diese wurden einstimmig angenommen. Darüber hinaus legten die Schüler auch die erlaubten Arbeitsmittel fest.

Die Klassenarbeit selbst schieben sie mit großem Eifer und benötigten dafür den ganzen Hauptunterricht. Die Durchsicht der korrigierten Klassenarbeiten, die ich am nächsten Tag von den Korrektoren zurückerhielt, erfreute mich sehr. Etwa 98% der Schüler hatten ihre Fragen sehr ausführlich und kompetent beantwortet. Vor allen die sogenannten Schwachen hatten sich vielmehr abverlangt und auch die anderen kamen zu individuell besseren Ergebnissen als bei den bisherigen konventionellen Klassenarbeiten. Bei der abschließenden Selbsteinschätzung zeigte sich, dass den meisten Schülern darin noch etwas Übung fehlte. Einige aber schätzten sich sehr treffend ein, andere hatten diesen Passus vergessen. Die Schülerkorrekturen fielen alle sehr wohlwollend aus. Rückblickend ist es auch nur in zwei Fällen gelungen, Themenpartnerschaften zu bilden. In diesen Fällen  korrigierten die Schüler sachkundiger und kritischer. Bei den anderen waren die Themen meist zu vielfältig für eine gegenseitige sachkundige Stellungnahme. Angesichts der überaus guten Ergebnisse schien mir dieser  Punkt jedoch nicht mehr so wichtig und es wäre  auch schade gewesen, die Schüler der Themenpartnerschaften wegen in ihrer Wahlmöglichkeit zu beschränken.

Fazit:
Die Schüler entwickelten eine größere innere Aktivität und kamen zu individuell besseren Ergebnissen  Ich behaupte, selbstverantwortliches Lernen hat stattgefunden und es hat sogar noch Spaß gemacht.

Bewertungskriterien für die Klassenarbeit

  • Nur allgemeine Abkürzungen verwenden.
  • Ordentlich und übersichtlich schreiben.
  • In zusammenhängenden Sätzen schreiben.
  • „Roter Faden“, beim Thema bleiben.
  • Lieber wenige Aufgaben bearbeiten, die dafür aber richtig.
  • Ausführlich antworten.
  • Sachlich richtig antworten

Zulässige Arbeitsmittel: In „Notfällen „ der Atlas.
Das Epochenheft sollte nicht verwendet werden.

Erika Fischer, Klassenlehrerin, FWS Wiesbaden

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